Markus Kraxner
Ergotherapeut
Sturzprävention
+43-699-17271795
A-9020 Klagenfurt, Kärnten Österreich

Ergotherapie & Sturzprävention

Braucht man Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten wirklich für die Analyse der Wohnumgebung?

Da Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten im Rahmen von Sturzpräventionsmaßnahmen primär für die Analyse der Wohnumgebung von Klientinnen und Klienten zuständig sind und die häufigsten extrinsischen Ursachen für Stürze in Türschwellen und ähnlichem bedingt sind, stellt sich auch die Frage nach der Notwendigkeit einer ergotherapeutischen Intervention – schließlich könnte man doch einfach alle Teppiche entfernen, die Türschwellen anpassen und ein paar Haltegriffe montieren und hätte auf diese Weise die Wohnumgebung derart angepasst, dass das Sturzrisiko automatisch reduziert wird, oder?

So ganz einfach ist die Angelegenheit leider nicht, obige Maßnahmen könnte man mit einem täglichen Spaziergang in raschem Tempo zum allgemeinen Erhalt der körperlichen Gesundheit vergleichen, die Leistung die Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten im Bereich der Sturzprävention erbringen ist allerdings im obigen Kontext eher mit einem gezielten körperlichen Trainingsprogramm zu vergleichen.

Zusammenspiel von Mensch und Umgebung

Unsere Berufsgruppe beschäftigt sich – vereinfacht gesagt – mit den Handlungen und Betätigungen von Menschen, den körperlichen und psychischen Faktoren, die die Fähigkeit Handlungen durchzuführen beeinflussen können, und der Art und Weise wie Menschen Handlungen durchführen.

Im Zusammenhang mit sturzpräventiven Maßnahmen bedeutet dies, dass es nicht ausreicht „nur“ die Teppiche zu entfernen – weil es durchaus sein kann, dass die Teppiche für den betreffenden Menschen im täglichen Leben überhaupt kein Problem darstellen – sondern dass der Mensch auch in seiner Wohnumgebung beobachtet werden muss, um Problembereiche im Zusammenspiel der individuellen Fähigkeiten mit der vorhandenen Wohnumgebung zuverlässig zu identifizieren.

So nützt beispielsweise der passende Duschsessel in der Badewanne sehr wenig, wenn die Bewegungsabläufe beim Einstieg in die Wanne selbst ein hohes Maß an Sturzrisiken beinhalten.

Veränderung in der eigenen Wohnumgebung und die Rolle der Angehörigen

Die praktische Erfahrung lässt darauf schließen, dass Veränderungen in den eigenen „vier Wänden“ nicht unbedingt gerne vorgenommen werden, die Bereitschaft dafür jedoch gesteigert werden kann, wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen in einem persönlichen Gespräch fachlich begründet werden.

Auch den Angehörigen kommt eine bedeutende Rolle in diesem Prozess zu, da diese oft maßgeblich an der organisatorischen Abwicklung beteiligt werden können oder müssen. Ein „ergotherapeutisches Gesamtpaket“, das nicht nur Klientinnen und Klienten sondern auch deren Angehörige involviert und ausreichend Raum für Beratungsgespräche bietet, hat eine deutlich höhere Chance auf Erfolg – im Sinne von tatsächlich umgesetzten Maßnahmen – und sollte meiner Einschätzung nach als Standard bei ergotherapeutischen Interventionen im Bereich der Sturzprävention gelten.

Wie sieht eine ergotherapeutische Intervention konkret aus?

Nach der telefonischen Terminvereinbarung eines Hausbesuchs erfolgt eine detaillierte Analyse der motorischen Fähigkeiten von Klientinnen und Klienten mittels standardisierter Testverfahren in der eigenen Wohnumgebung, die auch konkrete Handlungsabläufe beinhaltet – z.B. das Aufheben von Gegenständen vom Boden.

Anschließend wird die gesamte Wohnumgebung anhand einer detaillierten Checkliste auf vorhandene Sturzrisikofaktoren hin überprüft, im Kontext mit den vorhandenen Fähigkeiten ergeben sich daraus die Hauptproblembereiche. Klientinnen und Klienten erhalten anschließend individuell maßgeschneiderte Empfehlungen, die im Idealfall im Rahmen eines weiteren Hausbesuchs zusammen mit den Angehörigen ausführlich besprochen werden.

In diesem Gespräch werden Vereinbarungen getroffen, welche der empfohlenen Maßnahmen konkret umgesetzt werden und in welchem Zeitraum die Umsetzung erfolgt. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben den Umgang mit den neuen Gegebenheiten einzuüben – z.B. bei der Anschaffung eines Badewannenbrettes – kann dies im Rahmen eines oder mehrerer zusätzlicher Hausbesuche erfolgen.

Ein abschließender Hausbesuch – nach ca. vier Wochen – dient der Überprüfung der umgesetzten Maßnahmen und der Klärung eventuell aufgetretener Probleme beim Umgang mit den neuen Gegebenheiten.